Die Metropolregion Nordwest spielt eine zentrale Rolle als nationale Energieregion. Doch wie lässt sich diese Vorreiterposition langfristig sichern? Neben politischer Weichenstellungen zur Sicherung der benötigten Infrastrukturen und zur Verfügbarkeit Erneuerbarer Energien, bedarf es regionaler Initiativen zur Etablierung des Wissens- und Innovationstransfers sowie zur Qualifizierung und Ausbildung von Fachkräften für die Energiewende. Die Akteurinnen und Akteure der Metropolregion Nordwest begegnen diesen vielfältigen Herausforderungen mit innovativen und facettenreichen Lösungsansätzen, wie bei der heutigen Übergabe von sechs Förderbescheiden im Bremer Rathaus deutlich wurde.
Das Projekt Energie-Talente Metropolregion Nordwest hat zum Ziel, ausländische Fachkräfte in die Region zu holen und damit dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) werden Stellenanzeigen aus dem Energiesektor unter Verwendung landesüblicher Begriffe und Fachtermini in verschiedene Landessprachen übersetzt und die Fachkräfte dann über die Plattform FutureEnergyJobs gezielt adressiert. „Das Gelingen der Energiewende hängt von fähigen Händen und klugen Köpfen ab, die die politischen Vorgaben dann auch vor Ort umsetzen – derzeit fehlen unter anderem dafür allerdings Hunderttausende an Arbeitskräften. Deshalb ist das Projekt ein entscheidender Baustein zur Akquise ausländischer Fachkräfte“, betont Dr. Andreas Bovenschulte, Präsident des Senats der Freien Hansestadt Bremen.
Das Projekt EIKO-Bau – Effiziente Systeme und KI-basierte Methoden zur Optimierung von Beschleunigungspotenzialen in der Vorhabenzulassung in der Metropolregion Nordwest setzt ebenfalls auf KI. Im Landkreis Oldenburg soll der Einsatz von KI-Technologien im Genehmigungsverfahren von Windenergieanlagen pilotiert werden. Insgesamt sollen so die Prozesse effizienter und transparenter gestaltet und der KI-Einsatz letztendlich auf die gesamte Region ausgerollt werden. „Durch dieses praxisorientierte Verfahren zur Prüfung von Antragsunterlagen kann sich die Region als Vorreiterin für nachhaltige und innovative Lösungen im Bereich der Energiewende und der Verfahrensbeschleunigung positionieren“, unterstreicht Nikolaus Jansen, Landesbeauftragter für regionale Landesentwicklung Weser-Ems.
Durch die Beschleunigung von Genehmigungsverfahren beschleunigt sich auch der Ausbau der klimafreundlichen Energieversorgung – das gilt im Großen, wie im Kleinen. Aber durch dezentrale Erzeugungsanlagen und Stromsenken, wie bspw. Wärmepumpen oder E-Fahrzeuge, entstehen auch zunehmend neue Herausforderungen für die Stromnetze in den Quartieren. Das Projekt Local Power Grid Metropolregion Nordwest – Können lokale Quartiersspeicher den Netzausbau entlasten? untersucht anhand zweier Beispielquartiere in Bremen und Oldenburg die Frage, ob lokale Großspeicher eine technische, ökonomische und rechtskonforme Möglichkeit darstellen können, den lokalen Netzausbau zu entlasten oder gar zu ersetzen.
Neben der Optimierung infrastruktureller und politischer Rahmenbedingungen muss auch die Akzeptanz für die Energiewende in der Bevölkerung erhöht werden. Das Projekt Energiewende-Lots*innen für die Metropolregion Nordwest kann durch den Einsatz von kommunal verankerten Botschafterinnen und Botschaftern und durch die sachliche und inhaltlich fundierte Auseinandersetzung mit den Chancen und Risiken der Energiewende einen entscheidenden Beitrag zur Akzeptanzsteigerung leisten.
„Die beiden Projekte ‚Local Power Grid‘ und ‚Energiewende-Lots*innen‘ tragen jeweils dazu bei, die Bürgerinnen und Bürger bei der Energiewende mitzunehmen. Zum einen indem konkrete Lösungsmöglichkeiten für die Energiewende im Quartier aufgezeigt werden und zum anderen indem die Bürgerinnen und Bürger einen neuen niedrigschwelligen Zugang zu Informationen und somit zur Selbstermächtigung erhalten. Beides ist für das Voranschreiten der Energiewende und die Umsetzung im gesellschaftlichen Konsens unverzichtbar“, sind sich Bürgermeister Dr. Bovenschulte und der Landesbeauftragte Jansen einig.
Ein wichtiger Faktor für die Steigerung der Akzeptanz in der Bevölkerung ist auch der Erfolg der Wärmewende. Das Projekt Wärmewende im ländlichen Raum – integrierte Planungsansätze für die Metropolregion Nordwest verfolgt das Ziel, die landwirtschaftliche Perspektive mit abfallwirtschaftlichen Überlegungen zu verknüpfen. „Das Potenzial von Abfall- und Reststoffen, die bisher nur teilweise für die Energie- und Wärmeerzeugung verwendet werden, stärker auszuschöpfen und damit Ressourcen optimal zu nutzen, trägt zur regionalen Ausrichtung auf eine resiliente Energieregion Nordwest bei“, betont der Vorstandsvorsitzende der Metropolregion Nordwest, Eduard Dubbers-Albrecht.
Das vorgestellte Projektportfolio weist auch eine klassische technische Innovation auf: Die Vorstudie zur Definition der Prozessparameter eines neuartigen emissionsfreien H2-O2-Kraftwerks in der Metropolregion Nordwest bereitet die Umsetzung eines Forschungsprojekts auf Landesebene vor, das den Bau eines emissionsfreien Wasserstoff-Sauerstoff-Kraftwerks zur Strom- und Wärmeproduktion vorsieht. „Die Ergebnisse dieses wegweisenden Projekts können als Modell für andere Städte und Gemeinden dienen, um die emissionsfreie Energieversorgung mit Wasserstoff voranzutreiben und so die Position des Nordwestens als führende Wasserstoffregion weiter zu festigen“, fasst die Landrätin des Landkreises Osnabrück und stellvertretende Vorsitzende der Metropolregion Nordwest, Anna Kebschull, zusammen.